Druckstellen dort, wo die Beckenknochen sind. Erinnerung an wohltuende Härte. Und Sonne zwischen den heutigen Nebeln.
enhyloi - 18.06.2011
Ich breche in Weinen aus, bei der Überlegung, was ich zuerst tun soll, was nötig ist, in welcher Reihenfolge, und ob es in anderthalb Stunden zu schaffen ist. Überforderung von Kleinigkeiten. Die Erschöpfung fühlt sich groß an wie ein Meer.
enhyloi - 18.05.2011
Ich sah auf dem Foto seinen Wegwerf-Kuli mit dem abgeknickten und zerdrückten Halteclip und liebte jedwede Konnotation daran.
Ich hatte die wirklich für mich gefährliche Droge gefunden. Nicht der Alkohol war es, entgegen der Kenntnisnahme familiärer Geschichte. Es waren Schlafmittel. Ich war nach einer Nacht mit WickMediNait vollständig abhängig geworden. Wenn ich es recht bedenke. Auch in der Familie.
Ich möchte schlafen, um weg zu sein. Mein Kopf und inneres System lässt mich nicht schlafen. Aus ganz vernünftigen Gründen. Ich werde wach im selben Bett in derselben Situation. Mit derselben Schwäche.
Ich möchte gehen. Schlussstrich. Keine Streits mehr. Keine Abwehrmaßnahmen. Keine Gewissenskontrolle. Nichts in mir sagt nein dazu. Und doch sage ich es nicht. Ich weiß nicht wie. Frühe Abhängigkeitsbildung. Schwäche. Idotie. Schlechter Mensch sein.
Die Strafe dafür jeden Tag einmal mindestens.
Schlafmittel.
Kreise in mir. Kreise.
Der Unterschied inzwischen ist die Bewertung der Realität. Seine Gegenwart, jede Nachricht, seine Stimme, jeder Moment sagt deutlich: das ist richtig und präsent und klar. Das ist neu. Seit zwei Jahren ist Klarheit. Meine minimalen Ziele, die äußeren wie die inneren sind abgesteckt.
Schlafmittel.
enhyloi - 04.04.2011
Müde. Dankbar. Abwartend. Die Position haltend.
enhyloi - 20.03.2011
The unforgiving void
The forge in which our values burn
The resting leech
Our thinning minds
In my abstinence I turn to nothing.
enhyloi - 30.01.2011
Eine Mischung aus Stolz und Unglauben. Säen und Ernten.
enhyloi - 22.01.2011
Nachdem sie von 3.45 Uhr bis 4.30 Uhr wachgelegen hatte, wusste sie, dass sie nicht mehr einschlafen würde, diesmal nicht. Und ihr wurde die Sinnlosigkeit dessen klar, wachend im Dunkel zu liegen, als ob sie schlafen müsse für den nächsten Tag. Es gab nichts mehr, wofür sie ausgeschlafen sein musste. Es gab keine Arbeit, die zu tun war. Und Dinge, die ansonsten zu erledigen waren, schaffte sie auch nicht, ob ausgeschlafen oder nicht. Also machte sie das Licht an.
Bis 6.45 Uhr las sie ein ganzes Jahr durch und dachte an die eigenen Scherben dieses Jahres. So viele waren es, dass sie nicht mehr treten konnte. Aber die eine Liebe war nicht nur geblieben, sie war stärker geworden. Und nach all den kleinen Texten, den Puzzlestücken, verstand sie, dass für sie jetzt nur der eine zählte, der von der Liebe zur Tochter sprach und von der Sorge über den richtigen Zeitpunkt des Daseins und Loslassens. Und auch in diesem Text erkannte sie die verflossene Zeit, die zum Guten verflossene Zeit. Sie dachte daran, wie mühelos er seine Texte schmiedete und wie sie besser wurden bei jedem Vorlesen, nicht etwa schlechter. Und sie dachte an das ärgerlich schlechte Buch, was jedoch eine Stelle enthielt, die ihre Wirbelsäule kitzeln ließ. In der er ihr über den Rücken strich und sprach, da sei ihre eingebaute Kompassnadel, die ihr immer den richtigen Weg zeige, den sie zu gehen habe. Und sie dachte, dass ihr diese Nadel fehlte, dass sie vielleicht abhandengekommen war. Und sie dachte ans Sterben, sie dachte, wenn andere ihrem Tod ins Auge sehen können, wenn sie selbst bei jedem Flug, bei jeder Fahrt über die Autobahn innerlich bereit war zu sterben, dann würde sie auch dies schaffen. Dann würde sie auch einen Brief schaffen, an einem warmen Tag. An einem guten Tag.
Sie machte das Licht aus und konnte nicht einschlafen. Denn in ihr war das Licht wieder an, plötzlich, ohne Vorwarnung. Sie sah wieder die Schönheit der Welt. Sie erinnerte sich an eine staubige, laute Straße in Italien und sah nun endlich, wie schön sie gewesen war. Sie konnte wieder sehen.
enhyloi - 30.12.2010